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Südaustralien

Es ist Februar 2014 und ich bin bereits seit einem Monat alleine mit dem Rucksack unterwegs durch Down Under. Nach vier durchzogenen und eher kalten Wochen in Neuseeland freue ich mich auf Sonne und sommerliche Temperaturen in Australien. Ich landete am Vorabend im beschaulichen Adelaide und bin dann direkt zum Hostel gefahren. Während meiner beiden Flüge von Christchurch, via Melbourne nach Adelaide hat mich ein komischer Zeitgenosse begleitet. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich dem Typen nichts über mich verraten sollte und als mein Rucksack vor seinem Gepäck auf dem Gepäckband kam, suchte ich das weite und habe mir auch ein Taxi gegönnt. Denn Sicherheit ist mir nie zu teuer.



Nullarbor Ebene

Adelaide selber ist keine so grosse und pulsierende Weltmetropole wie etwa Melbourne oder Sydney, es gibt somit auch nicht allzu viel zu tun. Meinen Tag habe ich am Glenelg Beach verbracht und mir den ersten fetten Sonnenbrand auf meiner Reise geholt. Ein verbrannter Rücken und eine fünfstündige Autofahrt sind nicht zu empfehlen. Lektion gelernt. Am frühen Morgen um 07:00h ist Besammlung vor dem Hostel. Ein kleiner Minibus biegt um die Ecke und die absolut positiv strahelnde S. springt raus und begrüsst uns. Uns das sind ein 40 jähriger Deutscher, ein 20 jähriger Schweizer und meine Wenigkeit. Gemeinsma starten wir auf unser zehntägiges Abenteuer durch die Nullarbor Ebene, dem südlichen Ende von Australien, dort wo das Outback auf das Meer trifft. Unsere Reise wird in Perth, rund 2'700km östlich von hier enden. Was sich nach langweiligen Autostunden anhört war für mich das grösste. Mitten in der Wildniss auf dem Weg in die isolierteste Grossstadt der Welt. Uns begegnen sehr wenige Autos und auf den Campingplätzen gibt es oft keine anderen Menschen. Wenn wir hungrig sind, halten wir am Strand wo wir ebenfalls nie einer anderen Menschenseele begegnen. Wir schlafen nur im Swag unter einem millionen schweren Sternenhimmel ein und erwachen neben Kängurus und Koalabären in freier Wildbahn. Das bedeutet für mich Freiheit.




Cape le Grande Nationalpark

Am östlichen Ende der Nullarbor Plain kommt irgendwann der für mich schönste Nationalpark der Welt, der Cape le Grande Nationalpark. Wie im Traum hüpfen hier Kängurus über weissen, puderzuckerfeinen Sandstrand. Hier fehlen nur noch die Schmetterlingfurzenden Einhörner und schon ist das Traumland perfekt. Wir haben etwas Wetterpech. Unsere kleine Gruppe hat vor und Nachteile. Letztere sind, dass die beiden Reisepartner nicht gerade meine besten Freunde sind und wir so gar nicht auf gleicher Wellenlänge viben. Der Vorteil ist jedoch, dass wir immer spontan entscheiden was wir machen und wo wir übernachten, weil wir eben so wenige sind und ich eine Speed-Pinklerin bin, dauern unsere Pipi-Pausen maximal 5 Minuten. So entscheiden wir, spontan 3 Nächte statt 1 hier zu bleiben. Irgendwann zeigt sich dann doch noch kurz die Sonne. Die Tage verbringen wir mit Wandern, mit Delfinen schwimmen und vor Haifischen fliehen.




Leben im Outback

Vielleicht ist beim Lesen die Frage aufgekommen, wie ich denn in einem Land wie Australien, wo neun der zehn giftigsten Schlangen und Spinnen der Welt leben, einfach so unter freiem Sternenhimmel schlafen kann. Ja meine Lieben, das frage ich mich im Nachhinein auch. Wie sagt man so schön, ich war jung und dumm. Nein Spass bei Seite. Als S. unser Tourguidin erklärt hat, wie wir die nächsten zehn Nächte schlafen werden hatte ich auch kurz das Eierstockhuddlen. Jeden Abend habe ich mit Oropax (damit keine Kriechtiere in meine Ohren graagen) und einer Tonne Parfüm & Antibrum geschlafen. Wie viele Krabbeltiere ich verschluckt habe weiss ich nicht und mein Credo war; was über mich spaziert wenn ich schlafe, interessiert mich nicht. Der Ausblick auf den schönsten Sternenhimmel und das Erwachen haben alles wieder wett gemacht. Im Outback lernte ich die einfachen Dinge im Leben zu schätzen. Beispielsweise eine Dusche. Bei konstanter Wasserknappheit ist Duschen ein rares Gut, doch auch daran gewöhnt man sich. Oder eine Toilette. Normalerweise ist die Toilette ein grusig stinkendes Hüttli und beim Geschäft erledigen bist du nie alleine, eine Schlange oder Spinne schaut immer mit. Ich persönlich habe bereits ab Tag 1 Mutter Natur bevorzugt. Jeder, der schonmal längere Zeit in der Natur verbracht hat, kennt also die Toilettenregeln. Wenn es flüssig ist, ist es in Ordnung, wenn es dick ist, musst du ein 15 cm tiefes Loch graben und es anschließend wieder zudecken. Der Gang zur Toilette mit Klopapier (das wir natürlich korrekt entsorgt haben) und einer Schaufel ist also eine ziemlich neue Erfahrung.


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